FCS-Cheftrainer Ciriaco Sforza: «Wir steigen sicher nicht ab!»

Der FC Schaffhausen steckt in einer tiefen Krise. Seit sieben Spielen wartet der Tabellenletzte auf einen Sieg, die letzten fünf Matches wurden allesamt verloren, gleich in vier Duellen davon schoss man nicht mal einen Treffer. Nun steht heute das eminent wichtige Spiel bei Stade Nyonnais auf dem Programm. Gewinnt man beim Vorletzten, springt man sogar über den Strich. FCS-Chefcoach Ciriaco Sforza ist sich jedenfalls sicher: «Wir kommen da unten raus!»
Ciriaco Sforza, was geht in Ihnen vor nach so einem Nackenschlag wie zuletzt nach der 0:1-Heimniederlage gegen Lausanne, als der Gegentreffer erst in der 90. Minute fiel?
Ciriaco Sforza: Ich schaue mir jedes Spiel immer direkt noch mal an, wenn ich nach Hause komme. Egal, um welche Uhrzeit ich heimkomme. Das ist mir extrem wichtig, um meine Analyse nicht direkt nach Schlusspfiff aus den Emotionen heraus zu machen. Ich sehe das Spiel ja nur von der Grundlinie aus. Wenn ich die 90 Minuten dann im Fernsehen angucke, sehe ich viel mehr, auch die Feinheiten.
Und was hat diese Heim-Analyse nach der Niederlage gegen Lausanne ergeben?
Es gibt einen Punkt, mit dem ich momentan sehr hadere: der Torchancenauswertung! Wir haben immer wieder ganz klare Torchancen, wo der Ball eigentlich rein muss. Das ist zum einen positiv, wir erarbeiten uns die Möglichkeit. Aber wir müssen die Dinger reinmachen. Da sind wir nicht effizient und kaltschnäuzig genug.
Die Gegner dafür schon …
Ja, das ist leider so. Das macht mich nicht nervös oder ängstlich, aber es nervt mich einfach, weil es unnötig ist. Da kommt dann noch ein weiteres Problem zum Vorschein.
Welches?
Dass wir die Konzentration nicht bis zum Schluss halten können. Wir machen immer wieder individuelle Fehler, die zu späten Gegentoren führen. Wenn jeder bis zum Schluss bei der Sache wäre, und der Gegner schiesst in der 90. Minute ein Traumtor in den Winkel. Da kannst du nichts dagegen machen. Aber so ein Gegentor wie gegen Lausanne, das darf niemals fallen. Nicht in der ersten Minute, nicht in der letzten Minute. Niemals!
Da stellt sich dann die Frage: Warum wechseln Sie gegen Lausanne nur einmal aus? Braucht es nicht genau dann neue Impulse und frische Kräfte von der Bank, um diese Konzentrationsmängel zu umgehen?
Ich analysiere natürlich auch meine Leistung. Ich hätte sicherlich ein oder zwei Spieler in der Offensive reinbringen können. Ich mache auch nicht alles richtig. Während des Lausanne-Spiels war mein Fokus klar: Das musst du jetzt so durchziehen. Es gibt andere Beispiele wie in Wil, als ich fünf Minuten vor Ende zwei Innenverteidiger einwechselte, um das 2:1 zu halten. Und was passierte? Wir bekommen Sekunden vor Schluss das 2:2. Aber klar, man kann darüber streiten, was wann richtig ist. Ich kann damit umgehen, dass die Kritik aufkommt, warum ich nur ein Mal gewechselt habe. Wichtig ist, dass ich meine Lehren daraus ziehe für die nächsten Spiele.
Sind Sie inzwischen ein Stück weit frustriert? Im Dezember hofften Sie, dass die Mannschaft den nächsten Entwicklungsschritt macht. Das ist aber nicht der Fall, sondern die letzten fünf Spiele wurden allesamt verloren. Hatten Sie gedacht, dass die Entwicklung schneller vorangeht?
Teilweise ja. Wir sind in einem Prozess, bei dem ich klar sage, dass die jungen Spieler Persönlichkeiten an die Seite bekommen, die mehr Erfahrung haben und solche Situationen schon kennen.
Also braucht es dringend Neuzugänge?
Das würde ich sehr begrüssen, wenn wir das finanziell irgendwie hinbekommen. Wir brauchen Spieler, welche unsere jungen Akteure unterstützen können, damit diese sich voll auf ihre Leistung konzentrieren können. Ich merke einfach, dass es für unsere jungen Spieler immer schwieriger wird, da sie solche Situationen noch nicht mitgemacht haben. Das heisst nicht, dass sie es nicht könnten. Aber viele kommen derzeit einfach ins Grübeln. Sie haben keine Angst, aber im Unterbewusstsein machen sie sich Gedanken. Und dann fangen sie an zu rotieren. Aber das gehört zum Entwicklungsprozess, deshalb bin ich selbst auch kein Stück nervös.
Aber dann muss man schnell handeln und schnell neue Spieler holen. Die Saison geht in die entscheidende Phase, die Matches werden immer weniger …
Wir haben noch 16 Spiele, wir können noch 48 Punkte holen. Wo ist das Problem?
Dass die Spiele immer weniger werden, der Druck immer mehr steigt …
Mit Druck kann ich gut umgehen.
Sie vielleicht, Sie haben im Fussball auch schon alles mitgemacht. Aber wie steht es um die Spieler?
Es ist ja nicht so, dass die Mannschaft nicht lebt. Das Team hat Potenzial. Aber ich hab intern klar gesagt, dass wir externe Unterstützung brauchen.
Wem haben Sie das gesagt? Wer sind denn aktuell die handelnden Personen beim FCS?
Das bespreche ich mit den neuen Besitzern. Und mit niemand anderem. Die sind aktiv mit dabei.
Trotzdem herrscht drumherum ja reichlich Wirbel. Auch die Besitzerverhältnisse sind nun nicht klar. Hat das Einfluss auf die Leistung der Mannschaft?
Die neuen Besitzer sind jeden Tag hier im Stadion. Vom ersten Tag an waren und sind sie sehr eng an der Mannschaft dran.
Öffentlich geredet haben Fitim und Boletin Hasani aber noch nicht …
Das müssen sie aber auch nicht. Das ist auch nicht meine Aufgabe als Cheftrainer, das zu bewerten. Mir geht es rein um die Mannschaft. Und da ist der Kontakt sehr eng. Das ist ein gutes Zeichen, auch für die Spieler.
«Die neuen Besitzer sind jeden Tag hier im Stadion. Vom ersten Tag an waren und sind sie sehr eng an der Mannschaft dran.»
Zurück zum Sport. Ein Thema ist auch das Ultimatum an Sie, dass aus den Spielen gegen Lausanne und in Nyon vier Punkte geholt werden müssen. Wie gehen Sie damit um?
Das hat mir so niemand gesagt. Wir sprechen intern da ganz anders. Mich tangiert das deshalb auch nicht. Ich gebe immer mein Bestes, und das bis zum Schluss. Wir kommen da unten raus, wenn wir ruhig bleiben und zusammenhalten. Was so geredet wird, interessiert mich nicht. Solche Ultimaten werden doch nur propagiert, um Unruhe reinzubringen. Die Mannschaft und das Trainerteam sind intakt, mehr habe ich dazu nicht zu sagen.
Die Spieler selbst wirken aber trotzdem ein Stück weit ratlos. Sie suchen nach Erklärungen und wissen nicht, woran es genau liegt, dass sie immer verlieren …
Ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie sich in gewissen Dingen verbessert hat, aber es noch einige Baustellen gibt. Wir müssen ganz klar im Zweikampfverhalten besser werden. Wir müssen endlich unsere Chancen mal reinmachen. Wir müssen bei Standards offensiv und defensiv aktiver sein. Ich mache aber kein Theater und spiele der Mannschaft irgendwas vor, das ist nicht meine Art. Ich mache die Welle mit. Es war immer klar, dass unsere Leistungen nicht konstant sein werden, sondern es ein harter Prozess wird. Ich war auch mal jung und habe Fehler gemacht. Da müssen sie durch und daraus lernen.
Wie kommt man dann aus dieser Negativspirale schnell raus?
Wir müssen positiv bleiben, die Körpersprache muss stimmen, jeder muss im Training und im Spiel an seine Grenzen gehen. Das geht nur gemeinsam.
Gibt es also schon heute in Nyon die Wende zum Positiven?
Wir geben unser Bestes. Ich hatte schon mal mit Kaiserslautern 13 Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Und wir haben das geschafft. Wir bleiben ruhig und klar. Deshalb sage ich auch: Wir steigen sicher nicht ab!