Sportchef Marc Hodel scheinbar weg – und jetzt wackelt auch Chefcoach Ciriaco Sforza!

Tobias Erlemann | 
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Motiviert an der Linie wie eh und je: Chefcoach Ciriaco Sforza arbeitet detailliert und fokussiert. Doch glaubt man den Stimmen rund um die FCS-Arena, wackelt inzwischen sein Trainerstuhl. Bild: Keystone

Beim FC Schaffhausen geht es weiter drunter und drüber. Selbst der vermeintliche Besitzerwechsel hat keine Ruhe reingebracht. Denn seit der Übernahme herrscht das grosse Schweigen. Gerüchteweise ist zu vernehmen, dass Sportchef Marc Hodel gehen musste, auch Trainer Ciriaco Sforza wackelt nun. Und: Die Kritik an CEO Jimmy Berisha wird rund um die FCS-Arena immer lauter.

Es ist der 16. Januar 2025, als der FC Schaffhausen den Besitzerwechsel bekannt gibt. «Fitim und Boletin Hasani übernehmen 100 Prozent der Aktien. Die neuen Eigentümer aus Zürich sind in der Baubranche tätig und im Grossraum Zürich ansässig. Mit dieser Veränderung geht der FC Schaffhausen einen wichtigen Schritt in eine neue Zukunft, die nicht nur durch Erfahrung im Geschäftsleben der Schweizer Wirtschaft, sondern auch durch frische Perspektiven geprägt sein wird», heisst es in entsprechender Medienmitteilung. Was das genau bedeutet? Was die frischen Perspektiven sind? Was Ziele und Strategien beinhalten? Alles komplett offen! Denn seit der kurzen Nachricht sind beim FC Schaffhausen alle in Deckung gegangen. Weder CEO Jimmy Berisha noch die neuen Besitzer Fitim und Boletin Hasani haben sich jemals öffentlich zum Kauf geäussert. Vonseiten der Munotstädter heisst es immer wieder: Die Neuen würden sich einarbeiten, zu gegebener Zeit werde man informieren. Nur: Inzwischen sind mehr als zwei Wochen vergangen ohne jedwede Kommunikation. Während in anderen Klubs Besitzerwechsel auf der grossen Bühne zelebriert werden, herrscht beim FCS Intransparenz und Schweigen.

Nicht verwunderlich, hängen auch einige Mitarbeiter in den Seilen. Wie Sportchef Marc Hodel. Oder sollte man besser sagen: Ex-Sportchef? Immer wieder macht es die Runde, der Ex-Profi sei nach nur acht Monaten entlassen worden. Der 54-Jährige selbst äussert sich zurückhaltend, er wisse nicht genau, woran er ist. «Warten und Ungewissheit», ist sein kurzes Statement auf Nachfrage. Nachdem nun in mehreren Portalen seine Entlassung als sicher veröffentlicht wird, wäre es eigentlich an der Zeit, dass der FCS Stellung bezieht. Die Antwort des Klubs auf Nachfrage: «Momentan gibt es nichts Offizielles zu verkünden», erklärt die FCS-Medienabteilung.

Noch kein offizielles Statement von der SFL

Daher kommt auch die Frage auf: Ist der Verkauf denn überhaupt schon durch? Gehört den Hasani-Brüdern die Aktienmehrheit bei der FCS AG? Denn vonseiten der Swiss Football League (SFL) wurde bis dato nichts kommentiert. Sollte ein Verkauf offiziell sein, müsste eben auch die SFL ihren Segen geben. Denn die neuen Besitzer müssten vorab eine «kleine Lizenzierung» vornehmen und damit dem Verband aufzeigen, dass sie die finanziellen Möglichkeiten haben, den Verein zu übernehmen. Im März würde dann die normale Lizenzierung folgen für die Saison 2025/2026. Wenige Tage nach dem angeblichen Verkauf waren die Unterlagen noch nicht bei der SFL eingetroffen. Hierbei gibt es eine Frist, die schon bald abläuft. Ob inzwischen etwas übermittelt wurde und nun geprüft wird? Auch hierzu gibt es keinen Kommentar vonseiten des FCS oder deren neuen Besitzer. So könnte es kommen, dass die angebliche Übernahme von der SFL gar nicht gestattet wird. Dann stünde der FCS quasi ohne Besitzer da. Oder mit Besitzern, die von der SFL nicht akzeptiert werden. Die Lizenz hinge am seidenen Faden. Oder fallen dann die Aktien zu Roland Klein zurück, damit zumindest die Saison zu Ende gespielt werden kann?

«Warten und Ungewissheit.»

Marc Hodel, Sportchef FC Schaffhausen

In all dem Tohuwabohu geht das Sportliche fast unter. Doch auch dort brennt der Baum, denn der Start in die Rückrunde mit zwei Niederlagen und 2:6 Toren ist missglückt. Die Mannschaft präsentiert sich nicht unbedingt als verschworene Einheit, die erhoffte Entwicklung geht schwerer vonstatten als erhofft, was bei all den Negativschlagzeilen aber kein Wunder ist. So wurde auch die Professionalisierung der zweiten Mannschaft mit Argusaugen beobachtet, die Macht vom russischen Millionär Leonid Novoselskiy wird immer grösser. Und der hätte natürlich gerne, dass «seine» Spieler wie Sohnemann Maksim Novoselskiy oder auch die Tessiner Vertragsspieler wie Ruben Bakwetila, Alessandro Bizzarri oder Keeper Samuele Rutigliano öfter und mehr im Challenge-League-Kader stehen. Doch Chefcoach Ciriaco Sforza hat eine klare Struktur und klare Anforderungen. Für den Ex-Nationalspieler herrscht komplett das Leistungsprinzip, auf etwaige Hinterzimmer-Deals lässt er sich nicht ein. Er arbeitet tagtäglich hart und fokussiert daran, das Team zu stärken und zu fördern. Doch mit den begrenzten Mitteln ist es nicht möglich, eine gewisse Qualität auf den Platz zu bekommen, sondern diese muss erst mal entwickelt werden. Und wenn es dann wirklich Spieler gibt, die sich schnell zu Unterschiedsspielern mausern wie ein Marc Giger, werden diese schnellstmöglich verkauft, um Geld in die Kassen zu bekommen. Keine einfache Situation für Sforza, der aber sein Bestmögliches gibt, um schnell den Turnaround zu schaffen. Nur wie lange darf er das noch tun?

Die Kritik an CEO Berisha wird immer lauter

Die neuen Besitzer und CEO Berisha schauen aktuell vermehrt nur auf den Istzustand, und hier hat Sforza mit einem Punkteschnitt von 0,84 Zählern pro Partie keine guten Karten. Würde der FCS weiter so punkten, käme man am Ende der Saison auf 30 Zähler, was wohl den Abstieg bedeuten würde. Nun gibt es Gedankenspiele, nach Sportchef Hodel auch Chefcoach Sforza abzusetzen. Man möchte noch diese Woche abwarten, was bei den eminent wichtigen Spielen gegen Stade Lausanne-Ouchy (Dienstag, 19.30 Uhr) und bei Stade Nyonnais (Freitag, 19.30 Uhr) rauskommt. Interne Stimmen sprechen davon, dass mindestens vier Punkte rausspringen müssen, da sonst die Reissleine gezogen wird. Kurzfristig wird als Nachfolger Dagoberto Carbone ins Spiel gebracht, der vor Kurzem als neuer Trainer für die zweite Mannschaft aus Italien geholt wurde. Der 36-Jährige besitzt die nötige Uefa-Pro-Lizenz, spricht aber kein Wort deutsch.

Langfristig baut der FCS aber auf Adil Maliqi, der aktuell die U18 trainiert und bis vor Kurzem auch erfolgreich als U19-Nationaltrainer des Kosovo agierte. Dort hörte er auf, in Albert Bunjaku wurde bereits sein Nachfolger installiert. Maliqi hat aktuell aber nur die A-Lizenz, im Moment macht er einen Kurs zur A-Youth-Lizenz, die letzte Etappe vor Uefa-Pro. Eventuell könnte Maliqi auch als Co-Trainer unter Carbone eingespannt werden bei den Profis, damit er sich schon mal an die Challenge League gewöhnt. Oder er wird der Nachfolger von Carbone beim FCS 2, da dann auch hier ein neuer Trainer gesucht wird. Was fest steht: Mit dieser Rochade würde die neue Macht von Novoselskiy nochmals ausgebaut, wenn er «seinen» Trainer bei den Profis installieren könnte. Weiter im Verborgenen ist jedenfalls, wie die Verträge zwischen dem russischen Millionär und der FCS AG in Person von CEO Berisha aussehen. Bisher ist nur bekannt, dass Novoselskiy rund 250’000 Franken pro Jahr investiert. Berisha propagierte immer, er würde dies nur in die Jugend investieren, doch mit der Nachwuchsabteilung wurden keine Verträge gemacht. Auch fliesst kein Geld in die Nachwuchskasse. Von daher investiert der russische Millionär vermutlich in die FCS AG, also die Profiabteilung. Welche Gegenleistungen er dafür bekommt, weiss nur Berisha.

Impressionen aus dem ersten Training mit dem neuen Trainer des FC Schaffhausen, Ciriaco Sforza,  Bild zeigt neuer Sportchef Marc Hodel, am Montag, 17. Juni 2024. (Melanie Duchene / Schaffhauser Nachrichten)
Ist er noch dabei oder doch schon entlassen? Bei FCS-Sportchef Marc Hodel ist sein aktueller Stand offen. Bild: Melanie Duchene.

Und was passiert mit CEO Berisha? Die Kritik am 42-Jährigen wird immer lauter, da die von ihm propagierte Transparenz und Offenheit nie eingehalten wurde. Auch die neuen Besitzer haben diese Erfahrungen schon gemacht, da sie noch nicht Einblick bekommen haben in alle Verträge und Vorgänge, die derzeit so beim FCS laufen. Vieles ist im Verborgenen, keiner weiss so recht, woran er ist. Aus dem Umfeld des Vereins ist sogar zu hören, dass sich Berisha als Nachfolger von Hodel als Sportchef ins Spiel gebracht hat, in Personalunion als CEO. Diese Doppelfunktion hat Berisha schon einmal beim Grasshopper Club Zürich ausgeführt, als der damalige Sportchef Bernard Schuiteman im Februar 2021 entlassen wurde. Später wurde dann ein neuer Sportchef geholt – bis beide zusammen, also CEO Berisha und Sportchef Seyi Olofinjana, im Juni 2022 den Rekordmeister verlassen mussten.

Bekommt nun also Berisha noch mehr Macht beim FCS? Wohl nicht, wenn man den Stimmungen rund um die FCS-Arena glaubt. Denn das Tun und Handeln des 42-Jährigen wird immer kritischer beäugt, da viele seiner «Visionen» nie umgesetzt wurden. Hierzu zählt vor allem, mehr regionale Power in die Führungsebene zu bekommen. So sollte der Verwaltungsrat mit regionalen Persönlichkeiten besetzt werden – was niemals geschah. Auch die regionalen Sponsoren sind immer erzürnt, bereits zwei Geldgeber haben ihr Engagement beendet, weitere könnten folgen. Und auch die Kommunikation mit der Schaffhauser Politik, von der man sich Zuschüsse zu den Betriebskosten der Arena erhofft, ist kompliziert. Nach einem ersten Treffen liegt derzeit alles auf Eis, auch da niemand so genau weiss, was sich nun mit dem Besitzerwechsel bei der FCS AG so ändert.

FCS-CEO Jimmy Berisha steht stark in der Kritik, da er weder transparent noch offen kommuniziert. Bild: Michael Kessler

Was sicher ist: dass nun Tage der Wahrheit beim FCS anstehen. Rein sportlich, da man zwei Duelle hat gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Aber auch in der Führungsebene wird sich in nächster Zeit einiges klären müssen. Ist der Besitzerwechsel offiziell verzogen? Welche Ziele verfolgen Fitim und Boletin Hasani? Ist Sportchef Hodel wirklich entlassen? Wie heftig wackelt Cheftrainer Ciriaco Sforza? Und wie geht es weiter mit dem in der Kritik stehenden CEO Berisha?

Fragen über Fragen, die offen sind. Und was sagt der FCS dazu? Man werde zu gegebener Zeit informieren, lautet das offizielle Credo. Der Schwebezustand und die Ungewissheit bleiben also bestehen.

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