Das Chaos regiert beim FC Schaffhausen: Verkauf wegen rechtlicher Probleme noch nicht vollzogen

Am 16. Januar lässt die FC Schaffhausen AG verlauten, dass die Brüder Fitim und Boletin Hasani die Aktien von Roland Klein übernommen hätten. Doch nun kommt raus: Der Verkauf ist noch gar nicht durch, sondern es gibt rechtliche Probleme bei der Übernahme. Wem gehört denn nun eigentlich die FCS AG?
Es ist die nächste Episode in der Posse um den Verkauf der FC Schaffhausen AG. Nach der (vermeintlichen) Übernahme durch die Brüder Fitim und Boletin Hasani am 16. Januar brach das grosse Schweigen aus. Ziele? Strategien? Welche finanziellen Mittel werden bereitgestellt? Zu all diesen Themen gab es keine Antworten. «Wir freuen uns jetzt erst mal über den Kauf, das sind emotionale Tage für uns», lässt Fitim Hasani verkünden. Über alles Weitere werde in Kürze informiert, eine Medienkonferenz finde sogleich statt, lässt der FC Schaffhausen verlauten.
Passiert ist? Nichts! Und nun kommt der Hammer: Aufgrund von rechtlichen Problemen ist der Verkauf noch gar nicht offiziell, die Hasani-Brüder sind also quasi Besitzer ohne Aktien. Darauf angesprochen, will Fitim Hasani keine Auskunft geben. Er sei gerade auf einer Baustelle, erklärt der Bauunternehmer. «Für solche Sachen habe ich gerade keine Zeit, wir werden schon irgendwann dazu Stellung nehmen.»
«Für solche Sachen habe ich gerade keine Zeit, wir werden schon irgendwann dazu Stellung nehmen.»
Fitim Hasani, Fast-Besitzer der FC Schaffhausen AG
Was wohl schon stattgefunden hat: dass der Besitzerwechsel eine Erneuerung des Verwaltungsrates der FCS AG bewirkt hat. CEO Jimmy Berisha wurde aus dem Handelsregister als Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift gelöscht, die Hasani-Brüder sind neu in den Verwaltungsrat aufgerückt. Für Berisha bedeutet dies, dass er inzwischen ein CEO ohne Handlungsbefugnisse ist, also ein «Papiertiger» ohne Unterschriftsberechtigung. Beim Heimspiel gegen Lausanne gingen die Fans auf die Barrikaden, rollten ein Protestplakat aus und machten sich nach der Niederlage auf den Weg in die Katakomben, um Antworten zu erhalten von Berisha. Wie nun herausgekommen ist, trafen sie den CEO nicht in den Katakomben an, wohl aber später im Munotsaal, wo es zum (friedlichen!) Wortgefecht kam.
All diese Probleme rütteln an der Existenz
Wie zu vernehmen ist, ist Berisha alles andere als glücklich über die Neuerungen beim FCS. Denn als CEO ist er inzwischen ohne Macht, die neuen (oder noch nicht neuen) Besitzer sind mit dem 42-Jährigen nicht auf einer Wellenlänge, werkelt er doch immer im Verborgenen. Deals wie mit dem russischen Millionär Leonid Novoselskiy, der das Geld gibt, um die 2. Mannschaft in der 2. Liga interregional plötzlich zu professionalisieren, sind quasi eine Geheimakte, niemand weiss, was hier ausgehandelt wurde.
Was aber sicher ist: dass die Wirrungen den Klub so langsam an den Rand der Existenz führen. Denn noch immer warten zahlreiche Gläubiger auf ihr Geld. Die Hoffnung war gross, dass die Hasani-Brüder zuerst einmal die Schulden bei den regionalen Firmen abstottern werden. Doch passiert ist nichts, Geld ist weiterhin keines geflossen. Vermutlich auch, weil der Kauf einfach auch noch nicht rechtens durchgeführt wurde. Ist nun also weiter Roland Klein der Besitzer des FC Schaffhausen? Dieser ist wohlweislich nach Asien gereist für ein paar Wochen, so muss er sich nicht über das Chaos äussern.
Im schlimmsten Fall droht der Lizenzentzug
Neben den finanziellen und sportlichen Problemen, der FCS ist weiterhin Tabellenletzter und in einer schweren fussballerischen Krise, droht nun auch alsbald der Lizenzentzug. Wie die Swiss Football League gegenüber Radio Munot verlauten lässt, sind noch keine Unterlagen bezüglich einer Übernahme eingetroffen. Diese «kleine Lizenzierung» ist Pflicht, wenn ein Verkauf während der Saison stattfindet.
Aber: «Bis anhin wurden keine Unterlagen eingereicht. Dies deshalb, weil gemäss Mitteilung des Klubs und entgegen der erwähnten Medienmitteilung der Eigentümerwechsel noch nicht abgewickelt worden ist», offenbart die SFL. Sobald die Aktienübernahme aber rechtens ist, müssen Unterlagen eingereicht werden: «Ein zu spätes Einreichen würde eine disziplinarische Sanktion nach sich ziehen.»
Dies kann so weit gehen, dass dem FCS sogar noch für die laufende Saison das Spielrecht entzogen werden könnte. Dies sei aber ein «Worst-Case-Szenario», wie der Verband erklärt – und hofft, keine Sanktionen verhängen zu müssen. «Die Beendigung der laufenden Spielzeit sollte aufgrund der Sicherheiten aus dem letzten Lizenzierungsverfahren gewährleistet sein. Für die kommende Saison wird das ordentliche Lizenzierungsverfahren im März/April ausschlaggebend sein.»
Schaffhauser Politik will die neuen Besitzer kennenlernen
Es ist eine unsägliche Posse rund um den FC Schaffhausen, welche den Klub so langsam an den Rand des Untergangs führt. Intransparenz, Heimlichkeiten, Mauscheleien, die letzten Monate haben den Ruf schwer ramponiert, keiner weiss genau, woran er ist, die Mitarbeiter selbst sprechen davon, dass sie alle auf einem «Schleudersitz» sitzen würden, könnte es tagtäglich jeden treffen mit einem Rausschmiss.
Zumal auch der Konkurs weiterhin wie ein Damoklesschwert über dem Verein schwebt, die finanziellen Probleme haben sich nicht gebessert, weiterhin gibt es keinen Namenssponsor für das Stadion, einige regionale Unterstützer haben bereits die Reissleine gezogen. Und auch wichtige Sponsoren wie die Brauerei Falken überlegen sich einen Ausstieg am Saisonende. Bliebe als Geldgeber noch die Stadt und der Kanton, hier traf man sich Anfang Januar zu einem Austausch, da die Schaffhauser Politik sich vorstellen kann, einen Zustupf an die Betriebs- und Unterhaltskosten für die FCS-Arena zu leisten, aber nur für den Breiten- und Nachwuchsfussball.
Gefordert war hierbei, dass völlige Klarheit über die Besitzerverhältnisse herrsche. Ein weiteres Treffen hat derweil noch nicht stattgefunden, «es war beiden Seiten klar, dass wir als Nächstes die neuen Eigentümer kennenlernen müssen, bevor nächste Schritte in Erwägung gezogen werden», sagt Peter Neukomm. «Wir hatten bisher keinen persönlichen Kontakt mit den neuen Eigentümern. Dies wird jetzt zeitnah erfolgen», hofft der Schaffhauser Stadtpräsident auf eine Fortführung der Gespräche. Nur: Wenn die Hasani-Brüder gar nicht die Besitzer sind, wird es auch hier eine weitere Verzögerung geben, zuungunsten des FCS.
Nur wenn der FCS aktuell eines nicht hat, dann ist es Zeit, denn die Uhr tickt, will man die Lizenz für die Saison 2025/2026 irgendwie bekommen und nebenbei auch noch den sportlichen Abstieg verhindern. «Ich habe gerade nichts zu sagen und muss mich um unsere Baustelle kümmern. Keine Zeit», verabschiedet sich Fast-Besitzer Fitim Hasani kurz und knapp, bevor er das Telefon auflegt.