Hohe Auslastung bei Beratungsstellen für Kinder

Elena Stojkova | 
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Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen nehme zu. Symbolbild: Pixabay

Wie steht es um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie? Vermehrt würden Fälle von Misshandlungen festgestellt, zudem wird ein hoher Medienkonsum beobachtet, so der Stadtrat.

Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen nehme zu, schrieb SP-Grossstadtrat Stefan Bruderer in einer Kleinen Anfrage. Suizidgedanken, Depressionen, Ängste, Zwangserkrankungen kämen häufiger vor. Er fragte nach entsprechenden Daten aus der Stadt Schaffhausen – und nach Massnahmen, die getroffen werden könnten, um die Situation zu verbessern.

Die Schulsozialarbeit und die Jugendberatung der Stadt hätten im letzten Jahr vermehrt Fälle festgestellt, die kritischen Ereignissen in der Familie und dem Thema Gewalt und Misshandlung zugeordnet werden müssen, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Ein erhöhter Medienkonsum sei auch beobachtet worden, was auf einen zunehmenden Rückzug der Kinder und Jugendlichen und eine mangelnde Beteiligung in ihren gewohnten sozialen Räumen schliessen lasse. Bei einer problematischen Nutzung seien Konzentrationsprobleme, Einschlafprobleme, Realitätsverlust und Beziehungsprobleme zu den Eltern die Folge. Die Pandemie könne aber nicht als konkreter Auslöser festgemacht werden. Man nimmt an, dass sie die Problematiken lediglich verstärkt hat. «Die schwierigen Situationen der Kinder und Jugendlichen waren sicherlich auch Reaktionen auf die aussergewöhnlichen Belastungen der Eltern während der Pandemie.»

Mit Sorge würden die Fachstellen der Stadt eine hohe Auslastung und Belastung der psychologischen Beratungsstellen feststellen. «Betroffene Kinder und Jugendliche können nicht so zeitnah wie früher an diese Stellen triagiert werden und werden dadurch länger von den Fachstellen begleitet.» Zeitweise musste letztes Jahr in den Jugendberatungsstellen eine Warteliste geführt werden. In vielen Fällen wäre eine zeitnahe psychologische oder psychiatrische Abklärung nötig. Der Bedarf an psychologischer Unterstützung sei durch die Pandemie und ihre Folgen steigend.

«Keine sinnvolle Entschädigung»

«Im Zentrum einer funktionierenden Kinder- und Jugendhilfe stehen ein niederschwelliges Beratungs- und ein breites Freizeitangebot», schreibt der Stadtrat weiter. Das Angebot erachtet er aus kommunaler Sicht als ausreichend. «Sämtliche Fachpersonen sind sich der Auswirkungen der Pandemie auf betroffene Kinder und Jugendliche bewusst.»

Gefragt hatte Bruderer in seiner Anfrage auch, ob es für den Stadtrat eine Option sei, sich bei den Kindern und Jugendlichen nach der Pandemie in Form eines besonderen Anlasses dafür erkenntlich zu zeigen, dass diese durch die Massnahmen in einer für sie wichtigen Lebensphase auf besonders viel verzichten mussten. Alle seien Entbehrungen ausgesetzt, heisst es in der Antwort. «Mit einem einmaligen Anlass kann keine sinnvolle Entschädigung oder Genugtuung an eine Altersgruppe geleistet werden.» Es gelte vielmehr, Folgewirkungen der Pandemie aufzufangen.

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