Volg mit Erfolg: Wie es sich in Lohn im «Laden des Jahres» einkaufen lässt

Eine Kundin möchte Safran, findet aber keinen. Ladenleiterin Concetta Valletta nimmt das Produkt kurzerhand ins Sortiment auf. So läuft das in Lohn. Nun wurde der Volg zum «Laden des Jahres» gekürt. Es ist der Lohn für jahrzehntelange harte Arbeit. Die Ladenleiterin führt mit «Zuckerbrot und Peitsche», wie sie sagt. Die klare Linie spürt man beim Einkauf.
Die Ladentür öffnet sich, eine Kinderschar eilt in den Volg in Lohn. Der Blick der Ladenleiterin Concetta Valletta folgt der Gruppe. Wenige Sekunden später stehen die jungen Kundinnen und Kunden an der Kasse. Die Ladenleiterin unterbricht das Interview mit den Schaffhauser Nachrichten und tippt. Die Kinder halten grosse Tüten in den Händen. Es ist Kaffee – warum das? Das wird sich gleich aufklären. Kaum bezahlt, ist die Schar mit den Tüten auch schon wieder verschwunden. Es geht alles sehr schnell, die Szene erinnert an einen Film im Schnelldurchlauf. Valletta will den Kindern noch den Kassenbon mitgeben, aber dafür ist es schon zu spät. «Das macht gar nichts, die Lehrer werden ihn später abholen», sagt Valletta. Der Kaffee ist für die Lehrer? «Ja, die Schüler sind für die Schule gekommen.»





Kommt es häufig vor, dass Kinder hier alleine einkaufen? «Man kann bei uns die Kinder zum Einkaufen schicken, es gibt hier keine Hauptstrasse, dies fördert auch die Selbstständigkeit, und die Kinder machen es gerne.» Greifen sie dann nicht automatisch zu Süssigkeiten? «Wir fragen sie schon, ob sie diese Produkte wirklich kaufen dürfen und wenn die Eltern einen Zettel mitgeben, funktioniert es sehr gut.» Man kenne sich eben.
Es komme aber auch vor, dass man die Produkte, welche die Eltern auf den Einkaufszettel schreiben, nicht habe. «In diesem Fall schreibe ich dann die Alternativen auf den Zettel.» Das Kind eile dann wieder nach Hause und komme mit einer Antwort der Mutter in den Laden zurück. Was in einer Stadt undenkbar ist, ist in Lohn Alltag und ganz normal. «Das funktioniert halt nur in einem Dorfladen.»
Concetta Valletta geht generell auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden ein. Ihr Einfluss auf das Sortiment sei zwar beschränkt, vieles werde von der Zentrale entschieden, aber sie erfülle die Wünsche der Kundschaft, wenn möglich. «Wir haben zum Beispiel keine Biozitronen im Sortiment, wenn ein Kunde aber eine solche wünscht, bestellen wir diese auf den nächsten Tag.» Eine einzelne Zitrone? «Ja, der Kunde muss aber bis kurz vor Mittag seine Bestellung machen.»
«Die Leute wollen wieder mehr Produkte aus der Region und sind auch bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen.»
Kurze Zeit später steht eine Kundin im Geschäft, die zwar nicht eine einzelne Biozitrone bestellen will, aber auf das Sortiment schon Einfluss genommen hat. «Mir hat Safran gefehlt», sagt Farina Manno. Dies hätte sie der Ladenleiterin mitgeteilt. «Mittlerweile gibt es Safran.» Die Kundin zeigt auf ein Regal: «Hier ist der Beweis.»

Ein Blick in die Regale zeigt, dass neben bekannten Artikeln auch Produkte der Gemeinde und Nachbargemeinden zu finden sind. Zum Beispiel Honig und Rapsöl aus Lohn, Freilandeier aus Büttenhardt und Buureschüblig von der Määfarm aus Opfertshofen. «Die Leute wollen wieder mehr Produkte aus der Region und sind auch bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen», sagt Valletta.
Konkurrenzkampf auch auf dem Land
Der Volg ist der einzige Laden im Dorf. Doch der Konkurrenzkampf mit den grossen Detailhändlern spüre man auch hier. «Wir müssen uns bewegen und unserer Kundschaft etwas bieten.» Wenn es regnet, gäbe es weniger Umsatz, dann würden die Kundinnen und Kunden vermehrt in die grossen Einkaufszentren fahren. «Wir sind ein Schönwetterladen», sagt die Ladenleiterin. Aber es gibt noch eine Ausnahme, sagt sie. «Wenn es richtig schneit, fahren die Leute nicht aus dem Dorf, dann haben wir mehr Kundschaft im Laden.»
Bauarbeiter gehen sicheren Schrittes durch den Laden. Es ist Mittagszeit. Die hungrigen Arbeiter finden sich schnell zurecht und sind zufrieden mit dem Angebot. Es sind die ersten Kunden, die nicht aus dem Dorf selbst sind. Aber das ist ein gutes Zeichen für den Volg. Denn in Lohn wird fleissig gebaut, man rechnet mit vielen Neuzuzüglern. Diese werden dann mit einem kleinen Willkommensgeschenk in den Laden gelockt, erklärt die findige Geschäftsfrau.
Eine Auszeichnung aus Granit
Die Bauarbeiter haben eine feine lehmige Spur auf dem Boden hinterlassen. Es gibt also wieder etwas zu tun für Concetta Valletta, die viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung legt. Es ist wohl einer der Gründe, warum sie und ihr Team vor Kurzem den Pokal für den «Laden des Jahres» entgegennehmen durften.
Die Auszeichnung aus massivem Tessiner Granit steht nun in ihrem Laden. Aus den rund 600 Volg-Läden in der deutschen und französischen Schweiz wurde der Volg in Lohn zusammen mit vier weiteren Läden zum «Laden des Jahres 2024» gekürt. Neben dem Engagement der Mitarbeitenden werden die Frische der Produkte, die Umsatzentwicklung, die Öffnungszeiten, das Ladenbild und die Attraktivität des Sortiments bewertet. «Wenn der Kunde hineinläuft, ist das Gemüse die Visitenkarte», sagt Valletta. Darum werde im Eingangsbereich in jedem Laden frisches Gemüse platziert, verrät die Ladenleiterin. Doch die Verkaufspsychologie geht noch weiter. «Die Backstation ist wichtig», sagt die 55-Jährige. Der Duft von frischen Croissants soll die Kunden «gluschtig» machen. Concetta Valletta legt zusätzlich Wert auf Struktur. «Die Dosen müssen wie Soldaten gerad in einer Reihe stehen.» Sie sei streng, führe ihr Team mit Zuckerbrot und Peitsche, Respekt sei ihr wichtig, sagt sie. Valletta ist seit 20 Jahren Ladenleiterin und seit 11 Jahren für den Laden in Lohn zuständig. Der Kundenkontakt sei ihr wichtig. «Wir sind hier wie eine grosse Familie.»