Sarco-Macher weisen Vorwürfe der vorsätzlichen Tötung vehement zurück – und kritisieren Ermittler

Die Organisation hinter der Tötungskapsel Sarco beanstandet die Ermittlung zum Fall und behauptet, es würden bewusst Ergebnisse wie der Obduktionsbericht geheim gehalten.
Was hat sich auf dem Randen bei Merishausen am 23. September genau zugetragen? Ist die 64-jährige Amerikanerin tatsächlich freiwillig und ohne Fremdeinwirkung in der Tötungskapsel Sarco aus dem Leben geschieden? Aber woher stammen die Verletzungen am Nacken, welche angeblich bei einer ersten Totenschau festgestellt worden sind? In der jüngsten Berichterstattung rund um die Causa Sarco wurde von der niederländischen Zeitung «De Volkskrant» publik gemacht, dass angeblich auch dem Verdacht der vorsätzlichen Tötung nachgegangen werde – mutmasslich wegen der Spuren am Hals.
Deshalb haben die SN bei «The last resort», der Organisation, welche hinter dem Sarco-Einsatz steht, Fragen zum Fall eingereicht. Am Nachmittag dann die Reaktion, ein Statement wird auf der Website der Organisation aufgeschaltet, dort heisst es: «Ohne den vollständigen Autopsiebericht kann ‹The last resort› den ‹Verdacht› auf ‹Verletzungen› am Hals des ersten Sarco-Konsumenten nicht kommentieren.» Der Verdacht einer vorsätzlichen Tötung wird als «lächerlich und absurd» bezeichnet und entschieden zurückgewiesen.
Angeblich «geheim gehalten»
Gleichzeitig wird Kritik an der Arbeit der Staatsanwaltschaft geübt: Obschon die Obduktion der Verstorbenen noch am 23. September erfolgt ist, werde der Bericht, der Aufschluss über die Ereignisse geben könnte, auch nach fünf Wochen vor den Anwälten der Organisation und Exit International von der Staatsanwaltschaft «geheim gehalten». Und weiter: Ferner geht «The last resort» davon aus, dass die Ermittler im Besitz des von Überwachungskameras aufgezeichneten Filmmaterials «und sich der tatsächlichen Umstände des Todes der Frau bewusst» seien.
In diesem Zusammenhang wird auf die Rekonstruktion der Ereignisse aus dem Filmmaterial verwiesen: Die Frau habe die Kapsel ohne fremde Hilfe betreten und den Deckel ebenso geschlossen. Sie habe dann selbst den Aktivierungsknopf gedrückt. Geöffnet worden sei die Kapsel gemäss Mitteilung erst vom forensischen Personal, das um 19.22 Uhr am Tatort eintraf.
Nur: Die Filmaufnahmen decken nicht die ganze Zeit ab und wurden automatisch unterbrochen, da die Kamerasensoren nur bei Bewegungen die Aufzeichnung aktiviert haben. Weiter verweist «The last resort» darauf, dass sich Sarco-Erfinder Philipp Nitschke und Fiona Stewart, Co-Chefin von «The last resort», anerboten haben, sich von der Staatsanwaltschaft einvernehmen zu lassen, was aber von dieser abgelehnt wurde. Die Staatsanwaltschaft äussert sich weiterhin nicht zu laufenden Ermittlungen.