Ein rekordverdächtiges Line-up zum Jubiläum der Schaffhauser Band-Union

Zum Fünf-Jahr-Jubiläum der Band-Union Schaffhausen spielten am Samstag in der Kammgarn 27 Bands bis in die Nacht hinein.
Nachgefragt
Ronny Bien, Präsident Band-Union.
«Die Musikszene ist unglaublich stark, bunt und vernetzt.»
Vor fünf Jahren wurde die Band-Union gegründet. Wie sieht Ihr Fazit aus, auch nach dem heutigen Abend?
Ronny Bien: Ich glaube der heutige Abend sprach für sich – er war gewissermassen das «Ausrufezeichen» hinter der Band-Union. Wir konnten heute wirklich noch mal einen draufsetzen und die Stimmung war einzigartig. Als Präsident und Musiker bin ich stolz auf jede einzelne Band und alle, die den Abend zu so einer grossartigen Party machten.
Heute spielten mehr als doppelt so viele Bands, wie an bisherigen Jubiläumsanlässen des Vereins. War die Nachfrage seitens der Bands soviel grösser als auch schon?
Ursprünglich waren tatsächlich weniger Slots geplant. Das Interesse war aber derart gross, dass wir etwas umdisponierten. Weil die Struktur des Anlasses erprobt war, wussten wir: Es muss auch mit 27 Bands klappen – und das hat es.
Die Slots von 15 Minuten sind ja ziemlich kurz, da bleibt wohl kaum Zeit für Starallüren?
Die Musikerinnen und Musiker, die hier mitmachen, sind diesbezüglich unkompliziert, sonst wären sie nicht hier. Die Schaffhauser Musikszene ist unglaublich stark, bunt und vernetzt. Das zeigt sich auch auf der Tanzfläche, wo sich Bands und Publikum mischen.
Was macht einen Live-Gig im Zeitalter von YouTube und SoundCloud noch erstrebenswert?
Das Zusammengehörigkeitsgefühl wächst an solchen Live-Anlässen einfach enorm, das ist ganz essenziell, damit sich eine Band weiterentwickeln kann.
Interview: Ursina Storrer
von Ursina Storrer
Angekündigt wurde die grosse Jubiläumsfete des Schaffhauser Vereins Band-Union als «grösstes Konzertereignis, das Schaffhausen je gesehen hat». Das Programm war ehrgeizig, die Kammgarn nur zu Beginn noch eher spärlich gefüllt: Nicht weniger als 27 Bands waren mit einem kurzen Set von 15 Minuten angekündigt, die Bühne zweigeteilt und wechselseitig bespielt. Bereits um 18.30 Uhr dann die Eröffnung durch den Schaffhauser Liedermacher Christoph Bürgin: ein sanfter Start. Die Prosecco-Gläser vom Apéro leerten sich, die Kammgarn füllte sich nach und nach: Bands, Freunde, da und dort eine Kamera. Der Wechsel zwischen den Sets und Bühnen funktionierte reibungslos, die Zeit-Slots wurden eingehalten. Kleine Probleme mit der Ausrüstung, dem Singer-Songwriter Luca Fortuna fiel gleich zu Beginn seines Auftritts die Gitarrenbatterie aus – wurde mit einem Schmunzeln und guter Improvisation weggesteckt.
Die Latte war von Beginn an hoch gesetzt, die Bands lösten sich weiter im Viertelstundentakt ab. Ihr Repertoire reichte von eigenwilligen Covers über eigene Songs bis hin zum eigens für das Jubiläum geschriebenen Song der Rockband Pinot Noir. Das Publikum kam immer mehr in Fahrt, die Tanzfläche vor den Bühnen füllte sich, die Stimmung wurde ausgelassener. Hie und da waren Gesprächsfetzen zu hören: «Ihr spielt nach uns, gell?». Die Bands mischten sich unter die Leute, tanzten, applaudierten, feuerten ihre Kolleginnen und Kollegen regelrecht an.
Ein Verein, der seinesgleichen sucht
Stilistisch reichte die Palette von ruhig bis rockig, von Pop über Blues bis Metal. Wie um die Leute wach zu behalten, gehörte vor allem die zweite Hälfte des Abends jenen Bands, bei welchen schon mal die Fetzen flogen: Von Mr. Mojos bluesinspirierter Stimmwucht bis zum fast schaurig-guten Protest-Punk der Schaffhauser Band Spielrausch – bei 27 Bands war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Doch nicht nur das Marathonkonzert, sondern auch die Union an und für sich sucht Seinesgleichen: Der Verein konnte gerade deshalb nicht nur über die Kantons-, sondern mit dem süddeutschen Künstler Christian Rösner sogar über die Landesgrenze hinaus Musikerinnen und Musiker für sich gewinnen.
Neben dem über siebenstündigen Performance-Programm war auch vor der Bühne allerlei los. Dies nicht nur wegen der gegenseitigen Unterstützung der Bands und dem euphorischen Publikum, sondern nicht zuletzt auch durch unaufdringliches Merchandising.
Wer vom Tanzen müde war, eine Band besonders gut fand oder plötzlich Lust auf einen kleinen Energiekick in Form eines Shots verspürte, wurde am reich mit Ballons geschmückten Stand auf der Seite der Kammgarnhalle versorgt. Als Special des Geburtstagsabends präsentierte jede Band einen selbst kreierten Shot, nebenbei konnte man verschiedene Tonträger, von Vinyl bis CD, erwerben. Zur Stärkung für die Musikerinnen und Musiker stand vor der Kammgarn ein grosser Pizzaofen bereit, Ofen und Boxen liefen heiss.
Ronny Bien, Vereinspräsident der Band-Union, welcher als Mr. Mojo zwischendurch selbst auf einer der Bühnen war, stand die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. «Das ist wirklich ein grossartiges Fest geworden», meinte er, gerade als der Abend gegen halb zwei Uhr nachts mit Infected Noise und Deaththrone in düsterem Death Metal gipfelte. Der Anlass stellte mit dem gigantischen Line-up alle bisherigen Veranstaltungen des Vereins in den Schatten. Ein rundum gelungener Abend, welcher die vielfältige Schaffhauser Musikszene gebührend feierte.