Blut, Brüche und offene Wunden: Wie weit darf man das Interesse der Kinder wecken?

In der Mami-Post resp. Papi-Post schreiben Sibylle, Mia, Ralph und Gastautoren über ihre Alltagsthemen, die sie beschäftigen, seit sie Kinder haben. Alle Artikel der Mami-Post sind hier zu finden. Alle weiteren Familien-Artikel findest du im Familien-Dossier.
Neulich hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit meinem Sohn. Ich hatte viel gegessen, zu viel, wie mir mein Magen sagte. Während ich also auf der Couch lag und still vor mich hin litt, beugte sich mein Junior irgendwann zu mir herüber.
«Papa, wo hast du denn Bauchschmerzen?»
Wahrheitsgemäss zeigte ich auf meinen Bauch, ohne mir etwas dabei zu denken. Junior fragte: «Sind die krampfartig, kommen und gehen sie wieder oder sind sie die ganze Zeit da?»
Irritiert antwortete ich, dass sie immer da sind, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, wohin mich dieses Gespräch führen würde.
Da sah mich Junior an und sagte mit einer getragenen, würdevollen Stimme, die jedem Arzt zur Ehre gereicht hätte, der einem Patienten eine schreckliche Nachricht überbringen muss: «Papa, ich fürchte, du hast ein Bauchaortenaneurysma».
Wenn jetzt jemand irritiert guckt – ich war es in dem Moment auch. Woher kennt mein Sohn solche Ausdrücke? Ist er ein medizinisches Wunderkind, das nachts heimlich Medizinbücher liest?
Mein Sohn ist sehr intelligent, aber wohl kaum ein Wunderkind. Die Lösung des Problems ist viel einfacher.
Mein Sohn hat Fledermausohren. Wenn Papa etwas sieht, das ihn auch nur ein bisschen interessiert, ist er sofort hellhörig. Da ich vor einigen Jahren im Rettungsdienst gearbeitet habe, bin ich wiederum von der Notfallmedizin fasziniert und verfolge auf verschiedenen Plattformen Organisationen, die sich mit Fortbildungen in diesem Bereich beschäftigen. In meinem Facebook-Feed finden sich daher neben aktuellen News und einigen Memes auch immer wieder Fallbespiele von besonders schwierigen Notfallsituationen.
Auch auf Instagram folge ich einigen Medizinern, die dort ihren Arbeitsalltag meist auf humorvolle Art und Weise transportieren. Dort erwischte mich mein Sohn einmal dabei, wie ich mir das Video eines Notfallsanitäters anschaute, der mit viel Witz und Selbstironie über den Fall einer Frau berichtete, deren implantierter Defibrillator immer wieder auslöste.
Da ging die Fragerei los: «Was ist ein Defibrillator? Was macht er? Warum braucht man so etwas?»
Also habe ich es meinem Sohn erklärt – und die Faszination war da. Seitdem verzichtet er gerne auf seine eigene Serie, wenn er dafür mit mir ein paar Clips des Rettungssanitäters anschauen kann, der ihn in die Welt des Rettungsdienstes eingeführt hat.
Das Problem: Dort werden, wenn auch nur andeutungsweise, schwere Verletzungen behandelt. Dort fühle ich mich immer hin - und hergerissen zwischen dem Wunsch, das Interesse meines Sohnes zu unterstützen und mich gleichzeitig davor zu schützen, ihm erklären zu müssen, was zum Beispiel bei einem amputierten Finger zu tun ist.
Gleichzeitig überwiegt aber die Freude darüber, dass mein Sohn im gleichen Bereich eine Leidenschaft entdeckt hat wie ich. Und er hat für einen Achtjährigen schon ein beachtliches medizinisches Wissen – auch wenn er mit seiner Diagnose bei mir etwas daneben lag – es war nur eine kleine Magenverstimmung.
Hier schreibt Ralph:
39 | Alleinerziehender Papi | schreibt über die Alltagstücken als Alleinerziehender